Liquiditätsmanagement für mittelständische Unternehmen

Liquiditätskrise der Unternehmen

Mangelnde Liquidität kann Unternehmen in die Problematik führen, zahlungsunfähig zu werden. Nicht von ungefähr steht daher die Erkenntnis im Raum, dass von den jährlich etwa 35.000 Unternehmensinsolvenzen (2009) ein Großteil auf dauerhaft mangelnde Liquidität zurückzuführen war. Die aktuell im Markt immer wieder vorzufindende Thematik der „Liquiditätskrise“ ist daher der wohl wichtigste Begriff, der unmittelbar mit der Problematik eines erhöhten Insolvenzrisikos einhergeht.

Ohne Geld, also ohne die nötige „Liquidität“, ist ein Unternehmen nicht handlungsfähig. Die beste Fertigung, das nachgefragteste Produkt, die besten Verkaufszahlen – all das nutzt dem Unternehmen wenig, wenn es zwar „verkauft“, aber der Zahlungseingang gar nicht erfolgt, oder das Geld (vor allem im EU-Binnenmarkt) erst so spät (oft erst nach vielen Monaten Wartezeit) kommt, dass das Unternehmen selber zahlungsunfähig wird. Oft werden die Anfänge einer solchen Krise ignoriert; denn oft ist es den Unternehmen auch gar nicht klar, dass Geschäfte im vermeintlich so sicheren „EU-Binnenmarkt“ gewaltigen Herausforderungen unterliegen, was die richtige Gestaltung der Zahlungsbedingung und das tatsächliche pünktliche Bezahlen der Außenstände betrifft. Meist vertraut ein Unternehmen stattdessen auf eine (noch) bessere Auftragslage oder aber auf eine Erhöhung der Bankkreditlinien. Doch hierauf kommt es  oft gar nicht an, das bloße Eintreiben der Außenstände könnte eine Vielzahl von deutschen Insolvenzen vermeiden.

Warenabsatzkrise

Die aktuelle Krise (Stand Ende 2009), die in 2007 begann und sich stetig verschlimmerte, ist auf den ersten Blick eine Warenabsatzkrise, also eine Umsatzkrise. Unternehmen gelang es seit Mitte 2007 kaum noch, ihre Lieferungen und Dienstleistungen bei Abnehmern zu platzieren. Spätestens mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers am 15.September 2008 wurde jedermann deutlich, dass eine gewaltige, weltumgreifende Krise stattfand, in deren Folge die Verunsicherung der Marktteilnehmer ständig anwuchs. Dabei waren nicht etwa die Angebotspreise zu hoch oder die Produkte zu schlecht. Im Gegenteil, bei zurückgehenden Einstandspreisen (z.B. für Rohstoffe) war die Kaufzurückhaltung im Markt meist darauf zurückzuführen, dass die Abnehmer die eine oder andere Zukunftsangst in der

Weise umsetzten, dass sie vorsichtig oder gar nicht einkauften und eher von Lagerbeständen lebten, als Lagerkapazitäten weiter aufzubauen.

Auch die Verbraucher hielten sich mit Käufen zurück. Produkte und Dienstleistungen, die nicht sofort benötigt wurden, wurden zunächst auch erst einmal nicht gekauft; auf eher „Überflüssiges“ wie bestimmte Luxusartikel und Güter wurde gleich ganz verzichtet. Der Rückgang der Endproduktnachfrage schlug auf die gesamte Wertschöpfungskette durch, so dass mangelnde Nachfrage sich auf die gesamte Produktionskette und Zulieferkette auswirkte. Mit einiger Verzögerung kam es zu Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt (Kurzarbeit oder Entlassung), was wiederum zu verringerter Kaufkraft führte. Die gesamte Situation wurde dadurch verschärft, dass parallel zu dieser Marktentwicklung auch die Banken nur eingeschränkt zu einer Kreditvergabe an ihre Firmenkunden und Privatkunden bereit waren. Restriktive Kreditvergabe an Unternehmen behinderte deren Absatzchancen, und da gleichzeitig auch noch Kreditversicherungen immer weniger Bereitschaft zeigten, Forderungsausfallrisiken in Deckung zu nehmen, hat sich die wirtschaftliche Ausgangslage der Unternehmen seit 2007 geradezu fatal entwickelt.

Zahlungseingangskrise

Dabei ist die Zurückhaltung von finanzierenden Banken oder den Zahlungsausfall versichernden Unternehmen oft gar nicht die Hauptursache der Liquiditätskrise von Unternehmen. Ganz im Gegenteil: Unternehmen verzeichnen insbesondere im grenzüberschreitenden Geschäft nach wie vor gute Absatzzahlen, und es kommt auch nicht von ungefähr, dass die Bundesrepublik Deutschland in den vergangenen Jahren eine Spitzenposition als lieferndes Land („Exportweltmeister“) innehatte. Es ist festzustellen, dass deutsche Unternehmen vor allem dann, wenn sie (den überwiegenden Teil ihrer Exporte) in die benachbarten EU-Staaten lieferten (also im Europäischen Binnenmarkt aktiv waren), ungewöhnlich lange auf ihre Zahlungseingänge warten mussten. Nach einer Feststellung der Europäischen Kommission in Brüssel soll sogar jede zweite deutsche Unternehmensinsolvenz auf den Umstand zurückzuführen sein, dass deutsche Unternehmen ihre Geldforderung zwar erfüllt bekommen, aber auf den Zahlungseingang so lange warten müssen, dass sie mangels Liquiditätszuflusses selber in die Insolvenz rutschten. Die Liquiditätskrise deutscher

Unternehmen ist daher nur auf den ersten Blick eine Umsatz- und Absatzkrise, bei genauerem Hinsehen aber vor allem eine Krise, die aus zu späten Zahlungseingängen resultiert. Das Unternehmensgeschäft im Europäischen Binnenmarkt spielt eine herausragend wichtige Rolle. Nach einer Statistik von Eurostat1 für das Gesamtjahr 2008 gehen bereits mehr als 63% der Lieferungen deutscher Unternehmen in die Mitgliedstaaten der EU. Deutschland erwirtschaftet dabei sogar regelmäßig einen Handelsbilanzüberschuss, liefert also mehr in die EU als von dort eingekauft wird. Aber wer als Unternehmer (in der EU) eine Ware liefert, wartet im Regelfall auf „sein Geld“. Gerade in der EU ist allerdings die Zahlungsbedingung „Vorkasse“ unüblich, ein recht langes Zahlungsziel und damit häufiges Warten auf den Zahlungseingang dagegen die Norm. Die Kaufpreisforderung und deren Bezahlung ist das Thema überhaupt für deutsche Unternehmen, die Lieferungen und Leistungen an Abnehmer im EU-Binnenmarkt erbringen. Nicht ohne Grund bilden deutsche Unternehmen neben Frankreich das traurige Schlusslicht in der Insolvenzstatistik: Deutschland hat – verglichen mit den meisten anderen EU-Staaten – die mit Abstand meisten Unternehmensinsolvenzen pro Jahr zu verzeichnen. Dies ist in einer Vielzahl der Fälle darauf zurückzuführen, dass ausländische („EU“-)Abnehmer deutscher Leistungen die fälligen Kaufpreisforderungen meist viel zu spät begleichen und damit dem deutschen Lieferanten erst ein Liquiditäts- und oft auch ein Insolvenzproblem verschaffen. Hier wird bereits deutlich, dass das genaue Beobachten der Debitoren für deutsche Unternehmen (über-)lebenswichtig sein kann, erst recht im Europäischen Binnenmarkt, da dorthin der überwiegende Teil deutscher Lieferleistungen

erbracht wird. Im Europäischen Binnenmarkt ist allerdings in den letzten Jahren ein großer Fortschritt erkennbar, was die beschleunigte Beitreibung von Forderungen angeht.

 

Dies ist ein Auszug aus dem Buch „Liquiditätsmanagement für mittelständische Unternehmen“, das 2010 im Bundesanzeiger Verlag erschienen ist. Sowohl Unternehmer und leitende Mitarbeiter als auch Berater und Finanzdienstleister finden in diesem Werk wertvolle Hilfe bei der Vermeidung zukünftiger und der Lösung akuter Liquiditätsprobleme kleiner und mittlerer Unternehmen.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie regelmäßig in den News und Fachbeiträgen auf Firmextra. Das Buch erhalten Sie auch direkt im Bundesanzeiger Online-Shop!

 

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